OB-Kandidatin Sevda Caliskan

 

  • Wie schätzen Sie generell das Betreuungsangebot in Ulm für 0 bis 6jährige Kinder ein? Wie ist Ulm aus Ihrer Sicht „aufgestellt“? Krippenbetreuung (U3, 0-3jährige) ? KiTa (Ü3, 3-6jährige)?

In der Eigendarstellung der Stadt Ulm sieht die Situation für U3 prekär aus. Die Aufgabe der Stadt ist, den bestehenden gesetzlichen Anspruch von U3-Jährigen auf eine frühkindliche Förderung Folge zu leisten.

  • Sehen Sie Handlungsbedarf in Bezug auf das Ziel der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Unbedingt. Der Auftrag des Gesetzgebers laut GG Art. 3 (2) ermahnt uns kontinuierlich. Die Kinderbetreuung trotz Elterngeld, Vätermonate ist weiterhin weiblich verankert und Frauen erfahren Nachteile im Beruf, wenn die Elternphase anbricht. Gleichheit und Gleichberechtigung zu verwirklichen ist unsere stetige Aufgabe.

  • Sehen Sie Handlungsbedarf im Bereich der Qualität?

Die kontinuierliche Qualifizierung der Erziehenden ist der eine Pfeiler, die Zufriedenheit mit den Rahmenbedingungen der andere. Ich bin Vorlesepatin in einem Kindergarten und erlebe, dass die hauptamtlich Erziehenden ständig gefordert sind. So kommt es vor, dass ich den Kindern beim Anziehen helfen muß, damit z.B. alle in den Garten können. Das bedeutet schließlich, daß der Betreuungsschlüssel entsprechend der Anzahl der Kinder den Anforderungen entsprechend nachjustiert/gesenkt werden muss. Der Streik der Erziehenden zur höheren Eingruppierung ist ein wichtiger Schritt zur gesellschaftlichen Anerkennung und zur adäquaten Honorierung des Erzieherberufes.

  • Sehen Sie Handlungsbedarf im Bereich der angebotenen unterschiedlichen pädagogischen Konzepte (Trägervielfalt)?

Eine Vielfalt von Handlungskonzepten mit unterschiedlichen Schwerpunkten kommt den unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen der Eltern entgegen. Ich habe selber z.B. das Konzept der Waldorfpädagogik durch eine Hospitation kennengelernt und kann diese nun besser nachvollziehen.

  • Wie stehen Sie zur aktuellen Gebührensatzung? Halten Sie die gegenwärtigen KiTa-Gebühren für angemessen?

Nein. Sie sind absolut untragbar hoch bemessen und behandeln Eltern nicht fair. Eine gerechte Gebührensatzung ist eine erste To-Do-Aufgabe für den/die nächste/n OberbürgermeisterIn.

  • Wie schätzen Sie generell das Betreuungsangebot in Ulm für Schulkinder ein? Wie ist Ulm hier „aufgestellt“?

Früher gab es die externe Nachmittagsbetreuung in Form von Hausaufgabenhilfen. Inzwischen sind wir soweit, dass wir die Ganztagsbetreuung in die Schule integrieren und weiter ausbauen wollen. Die Raumkapazitäten sind eng. Für die Martin-Schaffner-Schule z.B. gibt es wenig Raummöglichkeiten bei hoher SchülerInnenzahlen und knapp gehaltenem Personal bzw. bei Ausfall.

Antwort am 20.11.2015